Unsere
Agenda für Europa:
30-Stunden-Woche – sofort und in einem Schritt
In einer Hinsicht ist
die Bilanz des kapitalistischen Europa eindeutig: Sämtliche Regierungen
sind daran gescheitert, die Massenerwerbslosigkeit nennenswert zu
verringern. Die Möglichkeit, durch Erwerbsarbeit ein eigenständiges
Leben zu führen, ist zunehmend ungleich verteilt.
Offiziell sind über 16
Millionen Menschen in der EU (4,4 Millionen in Deutschland) dazu
verurteilt, eine Null-Stunden-Woche zu arbeiten; sie können nur mit Hilfe
von Lohnersatzleistungen und Sozialhilfe überleben. Allein in Deutschland
sind darüber hinaus etwa 11 Millionen Menschen unterbeschäftigt.
Inzwischen gibt es ganze Familien, die seit über einer Generation ohne
reguläres Arbeitseinkommen auskommen müssen. Die Anzahl der jugendlichen
und jungen Erwerbslosen steigt beharrlich, ebenso die Anzahl der Dauer-
und Langzeitarbeitslosen. Millionen Kinder erleben mit ihren Eltern Armut
und Entwürdigung durch Sozial- und Arbeitsämter als tägliche Normalität.
Das sich so hoch preisende Europa hat dem Großteil seiner
Jugendgeneration keine Perspektive zu bieten.
Flächendeckend wird es – erstmalig nach dem Krieg – der Generation
der Kinder schlechter gehen als der ihrer Eltern. Es ist die größte Lüge
der Neoliberalen, dass die ganze Krisen- und Sparpolitik dieser Tage nötig
sei, um den künftigen Generationen keine Belastungen zu hinterlassen.
War die Existenz eines großen Arbeitslosenheeres jahrelang willkommen, um
Druck auf das Lohnniveau auszuüben, so gibt es heute eine fast vollständige
Zweiteilung des Arbeitsmarkts in Arbeitsplatz»besitzende« und
Erwerbslose. Die angebotsorientierte Politik des Neoliberalismus untergräbt
zusätzlich die Massenkaufkraft, wodurch die Überproduktionskrise des
Kapitals noch verschärft wird.
Sämtliche Regierungen Europas, allen voran die sozialdemokratisch-grüne
Schröder-Fischer-Truppe in Deutschland, sind deshalb in der Agenda 2010
– die die Staats- und Regierungschefs im März 2000 auf dem EU-Gipfel in
Lissabon verabredet haben – dazu übergegangen, eine brutale Politik
nicht gegen die Erwerbslosigkeit, sondern gegen die Erwerbslosen zu
beginnen. Staatliche Lohnersatzleistungen werden zusammengestrichen, um
die öffentlichen Haushalte zu sanieren, die zuvor durch Steuergeschenke
an die Reichen geplündert wurden.
Kollektive Schutzrechte, »Hindernisse« wie der Flächentarif oder der Kündigungsschutz
stehen unter Attacke, und für die dann immer noch »Arbeitsunwilligen«
werden immer offenere Formen von Zwangsarbeit eingeführt. Der Sinn der
Operation ist der Ausbau des sog. Niedriglohnsektors, d.h. eine neuerliche
Verschärfung des Drucks auf das gesamte Lohnniveau.
Regierung und Kapital haben eine Absenkung der Löhne um 30% im Auge; der
wichtigste Hebel dazu ist die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und die
Reduzierung des neuen Arbeitslosengelds II auf ein Niveau, von dem man
nicht mehr leben kann (345 Euro).
Leider haben sich fast alle Gewerkschaften angesichts der dauerhaften
Massenerwerbslosigkeit und auch als Reaktion auf die jüngsten »Reformprogramme«
der EU-Regierungen darauf zurückgezogen, eine mehr schlechte als rechte
Politik für die Arbeitsplatz»besitzenden« zu verfolgen. Doch die
defensive Politik ist fürchterlich zum Scheitern verurteilt. Auf der
einen Seite fehlt die Kraft, für die Arbeitsplatz»besitzer« noch
materielle Verbesserungen zu erkämpfen; sie kehren den Gewerkschaften
enttäuscht den Rücken. Auf der anderen Seite wird Millionen
Erwerbslosen und prekär Beschäftigten die kalte Schulter gezeigt, und so
wenden auch diese sich enttäuscht ab. Fast das erste, was ein
Neu-Erwerbsloser heute in Europa macht, ist die Austrittserklärung an die
Gewerkschaft.
Diese Spaltung der abhängig Beschäftigten muss aufgehoben werden! Die
Frage einer radikalen Umverteilung der vorhandenen Arbeit muss im
Mittelpunkt einer neuen politischen Offensive der antikapitalistischen Kräfte
stehen.
Eine neue, schnelle und kräftige Arbeitszeitverkürzung ohne Lohn- und
Gehaltseinbußen wird die Schlüsselauseinandersetzung der kommenden Jahre
sein. An ihr wird sich jede neue politische Kraft messen lassen müssen.
Die 30-Stunden-Woche für alle bei vollem Lohn- und Personalausgleich ist
deshalb eine der zentralen Forderungen, um die sich alle
antikapitalistischen Kräfte in Europa heute versammeln sollten.
Der Kampf um die Arbeitszeit, das wussten schon Marx und Engels, ist eine
Machtfrage. Die IG Metall hat dies im letzten Jahr mit ihrem verlorenen
Kampf um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland erneut erfahren dürfen.
Eine Kampagne für die 30-Stunden-Woche kann deshalb nicht auf einzelne
Betriebe beschränkt werden. Sie muss die gesamte Gesellschaft, die
Erwerbslosenverbände, die sozialen Einrichtungen und das Leben in den
Stadtvierteln erfassen und einbeziehen.
Mit einem Vertrag über kürzere Arbeitszeiten ist der Kampf auch nicht zu
Ende. Die Erfahrungen in Frankreich und in Deutschland haben gezeigt: Erst
die Kontrolle der Beschäftigten über ihre Umsetzung in den Betrieben und
über den tatsächlichen Personalausgleich kann zu einer Entlastung der
Beschäftigten und neuen Arbeitsplätzen für Erwerbslose führen.
Andernfalls fressen Arbeitsverdichtung und Rationalisierung die Früchte
der Arbeitszeitverkürzung schnell wieder auf.
Der Kampf für kürzere Arbeitszeit, höhere Löhne und eine
Mindestsicherung, von der man leben kann, gehören zusammen. Was das
Kapital begriffen hat, müssen Gewerkschaften schon lange wissen.
Die Unternehmer wollen die Geschichte zurückdrehen: Zum ersten Mal seit
Hitlers Zwangswirtschaft fordern sie die Verlängerung des Arbeitstags, um
die Löhne zu senken.
Deshalb sofort und ohne Kompromisse:
30-Stunden-Woche für alle bei vollem Lohn- und Personalausgleich
zurück
Politischer
Streik: Machbar und nötig
Mit Demonstrationen
allein werden wir die Durchsetzung der Agenda 2010 nicht verhindern können.
Anders als die Unternehmer haben Beschäftigte allerdings nur die
Verweigerung ihrer Arbeitskraft als Druckmittel. Während die
Unternehmerverbände immer wieder lautstark mit Produktionsverlagerungen
und Kapitalflucht drohen, wenn die Regierung ihnen nicht zu Willen ist,
bleibt den Beschäftigten nur der Streik.
In allen westlichen
Industrieländern ist es selbstverständlich, dass die Gewerkschaften zu
diesem Kampfmittel auch greifen können, wenn sie Forderungen an den
Gesetzgeber haben. Nur in Deutschland verbietet dies ein reaktionäres
Richterrecht aus der Adenauerzeit. Noch in der Weimarer Republik galt das
Streikrecht uneingeschränkt, auch für politische Forderungen. Erst der
Streik der IG Druck und Papier 1952 anlässlich der 3.Lesung des
Betriebsverfassungsgesetzes hat zum Verbot des »politischen Streiks« geführt.
Aber es gibt nicht nur das Arbeitsrecht.
– Das Grundgesetz garantiert das Streikrecht – und zwar ohne die
Einschränkungen, die späteres Richterrecht eingeführt hat.
– Die Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die
Europäische Menschenrechtscharta, die Europäische Sozialcharta sehen
alle das uneingeschränkte Streikrecht vor; das ist Völkerrecht, dem auch
die Bundesrepublik zu folgen hat. Die ILO hat die deutsche Praxis
wiederholt gerügt. Dieses Recht muss die soziale Bewegung zurück
erobern.
Politische Entscheidungen wie die Agenda 2010 beeinflussen schließlich
die materielle, soziale und berufliche Lage der Beschäftigten weitaus stärker
als der Tarifkampf. Für den Tariflohn dürfen die Beschäftigten
streiken, für ihren Soziallohn aber nicht. Wenn der Gesetzgeber aber die
Finanzierung des Krankengelds ausschließlich den abhängig Beschäftigten
aufbürdet, greift er damit in die Einkommensverteilung mindestens ebenso
ein wie ein Tarifvertrag.
Rechte werden nicht gewährt, sie werden erstritten. Und trotz Verbot ist
es nicht so, als hätte es in Deutschland nach dem Krieg keine
Arbeitsniederlegungen wegen »politischer« Fragen gegeben: so 1956 bei
der Mitbestimmung, 1972 beim Misstrauensvotum gegen Willy Brandt.
Wenn der Protest gegen die Agenda 2010 mehrheitsfähig wird, wenn die
Stimmung sich zugunsten des Protestes neigt, dann wird auch der politische
Streik anders akzeptiert werden. Eine solche Akzeptanz aufzubauen – dafür
muss alles getan werden.
zurück
Besatzer
raus aus dem Irak!
Spätestens seit den
Selbstmordattentaten auf schiitische Pilger in Bagdad und Kerbela Ende
Februar, die bis zu 270 Tote forderten, ist auf dramatische Weise klar
geworden, dass die US-Besatzungsmacht im Irak keine wirkliche Kontrolle über
das Land ausübt.
Wer immer hinter den
Anschlägen stehen mag, es zeigt sich, dass die Okkupation reaktionären
und menschenverachtenden Gruppen die Möglichkeit gibt, ungehindert im
Land zu operieren.
In den Anschlägen kommt eine Ethnisierung der irakischen Politik zum
Ausdruck, die von den Besatzern bewusst vorangetrieben wird. Traditionell
hat sich die irakische Gesellschaft nicht nach ethnischen oder religiösen
Kriterien definiert, soziale Trennlinien waren wichtiger. Erst die neue
Besatzungsmacht hat eine Zusammensetzung sämtlicher Gremien der »Übergangsverwaltung«,
von der lokalen Ebene bis zum Regierungsrat, nach einem
ethnisch-konfessionellen Proporzsystem durchgesetzt.
Die Anschläge werden von Washington als Rechtfertigung für ein weiteres
Verbleiben der US-Truppen im Irak interpretiert, es gibt bereits Pläne
zur Errichtung von vier permanenten US-Militärbasen. Sie liefern der
US-Regierung die dringend benötigte Legitimation, hat sich doch nach dem
Bericht des früheren US-Waffeninspekteurs David Kay gezeigt, dass die
Massenvernichtungswaffen, zu deren Zerstörung der Krieg gegen den Irak
angeblich begonnen wurde, lediglich in der Propaganda des Pentagon und des
US-Außenministeriums existierten.
So ist auch George W. Bushs Charmeoffensive gegenüber der UNO und gegenüber
dem ehemaligen »Kriegsgegner« Bundeskanzler Schröder zu verstehen. Eine
»Internationalisierung« der Besatzung, natürlich unter
US-Vorherrschaft, soll der imperialen Politik eine gewisse »Legalität«
verschaffen. Die Rechnung könnte aufgehen, das zeigte sich bereits kurz
nach Kriegsende, als die ehemaligen Neinsager im UN-Sicherheitsrat mit der
Annahme der Resolution 1483 die USA und Großbritannien zur verwaltenden
»Autorität« im Irak machten, dem Krieg also nachträglich ihre
Zustimmung erteilten. Eben diese Resolution legt auch fest, dass andere
Staaten künftig »unter der Autorität dieser Behörde« tätig werden können.
Vor einer solchen direkten Beteiligung am Irakeinsatz scheut die
Bundesregierung noch zurück; sie ist einweilen mit der Rolle als Führungsmacht
in Afghanistan zufrieden, wo Deutschland im Rahmen der internationalen
imperialen Arbeitsteilung den USA den Rücken freihält.
Einen NATO-Einsatz im Irak allerdings kann sich Schröder sehr wohl
vorstellen. In einer gemeinsamen Erklärung lobten vor kurzem Schröder
und Bush »die wachsende Rolle der Vereinten Nationen« im Irak und hoffen
»auf die Übergabe der Souveränität an eine neue irakische Regierung am
1.Juli 2004«. Die Souveränität dieser Regierung wird freilich trotz des
eigens zur Wahlbeobachtung entsandten UNO-»Expertenteams« nur auf dem
Papier stehen. Die Besatzungsbehörde hat durchgesetzt, dass die irakische
Übergangsregierung nicht in allgemeinen Wahlen bestimmt, sondern aus
Delegierten von 18 Regionalversammlungen zusammengesetzt werden soll. Ein
Drittel der Mitglieder dieser Ratsversammlungen wird aber direkt von der
Besatzungsbehörde ernannt!
In Bagdad wird es eine Marionettenregierung geben, die den USA ermöglichen
soll, einen Teil ihrer Truppen abzuziehen, ohne die Kontrolle über den
Zugang zu den Ölquellen des Landes zu verlieren oder die militärische
Besetzung geostrategischer Positionen aufzugeben. Die US-Truppen
avancieren »von einer Besatzung zu einer eingeladenen Anwesenheit«.
Eine US-freundliche Regierung soll auch die umfangreichen Privatisierungen
absegnen, die die Besatzer planen oder schon durchgeführt haben. Der Löwenanteil
geht natürlich an US-Firmen: Halliburton, Bechtel, DynCorps haben sich
Milliardenaufträge beim Bau von Militärbasen, der Sicherung der Ölproduktion
und dem Wiederaufbau der Infrastruktur des Landes gesichert. Bezahlt
werden sie aus den Öleinnahmen des Irak.
Die Menschen im Land haben durch die Besatzung nichts zu gewinnen: Die
Versorgungslage ist nach wie vor katastrophal, es fehlen Wasser und
Nahrung, Strom und Medikamente, und Arbeitsplätze. Das Gesundheitssystem
ist zusammengebrochen, die Kindersterblichkeit liegt höher als zur Zeit
des Embargos. Die Lage der Frauen ist schlimmer als unter Saddam. Ihre Befürchtungen,
dass der Krieg den Islamisten Auftrieb geben werde, hat sich bestätigt.
Die Besatzung will den Widerstand vor allem der schiitischen Parteien
brechen und macht ihnen deshalb bei der Frauenfrage große Zugeständnisse.
Der Zwang zur Verschleierung wächst, es beginnen die Arbeitsverbote gegen
Frauen, bekannte Vertreterinnen der unabhängigen Frauenbewegungen werden
offen mit dem Tod bedroht. Der von den USA eingesetzte Regierungsrat hat
die Rechte der Frauen drastisch eingeschränkt: Mit dem Dekret Nr.137 vom
29.Dezember 2003 wurde das Familienrecht von 1959 – eines der
fortschrittlichsten im Nahen Osten, das von der Gleichberechtigung von
Frau und Mann ausgeht – außer Kraft gesetzt und die Sharia wieder
eingeführt.
Nichts macht deutlicher, dass Krieg und Besatzung die Kräfte der
Reaktion, nicht die des Fortschritts befördern.
zurück
Internationale
Gewerkschaftssolidarität
Am 6.Dezember 2003 stürmte
die US-Besatzerarmee die Räume des unabhängigen irakischen
Gewerkschaftsverbands IFTU und verhaftete acht führende Repräsentanten
ohne Begründung. Am nächsten Tag wurden sie ohne Entschuldigung oder
Begründung wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Büros des
Gewerkschaftsverbands blieben einen Monat lang geschlossen; die Besatzer
verhinderten, dass auch nur ein Gewerkschafter seinen Fuß in das Gebäude
setzen konnte.
Vor dem Hintergrund einer anwachsenden Streikbewegung und zunehmenden
internationalen Drucks – hoch offiziell vermittelt durch die
Internationale Arbeitsorganisation (ILO), aber auch durch arabische, europäische
und amerikanische Gewerkschaften und Gewerkschaftsgruppen – legalisierte
das Besatzerregime die IFTU im Januar und erkannte den Verband als »legalen
und legitimen Repräsentanten der Arbeiterbewegung im Irak« an.
Das Besatzerregime hatte die Gesetze des Saddam-Regimes gegen die
Gewerkschaften einfach fortbestehen lassen. 1987 hatte dieses die Beschäftigten
der großen öffentlichen Unternehmen und Einrichtungen zu »Beamten«
erklärt und ihnen das Recht entzogen, sich gewerkschaftlich zu
organisieren und Tarife auszuhandeln. Trotz der Privatisierungspolitik, in
der Rahmen bislang etwa 150 von 600 Staatsbetrieben verkauft wurden,
arbeitet der Löwenanteil der Beschäftigten in öffentlichen Betrieben
und Verwaltungen. 70% der Beschäftigten arbeiten in der einen oder
anderen Weise für die Marionettenregierung.
Der Durchschnittslohn der untersten Beschäftigtengruppe liegt bei 60
Dollar pro Monat, eine besser bezahlte Schicht kommt auf 120 Dollar –
und das bei der wachsenden Teuerung von Lebensmitteln und anderen Gütern
des täglichen Bedarfs.
Die unabhängige Gewerkschaftsbewegung kämpft gegen die Privatisierung, für
höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die Legalisierung des
Verbands ist ein wichtiger Teilerfolg. In den USA hat sich als Teil der
Antikriegsbewegung die Kampagne US Labor Against the War gegründet. Die
darin zusammengeschlossenen Gewerkschaften haben an der internationalen
Kampagne für die Legalisierung der irakischen Gewerkschaften
teilgenommen. Heute führen sie in den USA eine Kampagne gegen die
Privatisierungen im Irak.
zurück
Nein
zur EU-Verfassung!
Nein zur Militärunion!
Die EU bildet nicht
das friedensbewegte Pendant zu den kriegsversessenen USA.
Nicht nur spricht diese
EU nicht mit einer Stimme, sind Blair und Berlusconi, Aznar und Miller
treue Parteigänger der USA. Auch die sog. Antikriegsfront –
Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg – lehnt die neue
Kriegsstrategie der USA keineswegs grundsätzlich ab, im Gegenteil: Der
EU-Verfassungsentwurf macht sich den »Krieg gegen den Terror« als
Vehikel, die wirtschaftlichen Interessen der Mitgliedstaaten an der
Ausbeutung fremder Rohstoffe und der Ausplünderung fremder Länder
durchzusetzen, durchaus zu eigen. Die Bundeswehr hat die strategischen
Konzepte der NATO und der USA längst übernommen.
Auf die EU kann man daher Frieden nicht bauen. Es geht im Konflikt mit den
USA auch nicht um die Frage: Dürfen Kriege wie im Irak geführt werden?
Sondern darum: Wer entscheidet darüber? Die EU will mitreden, und zwar
auf Augenhöhe mit den USA. Dazu muss sie militärisch gleichziehen, das
bedeutet, sie muss massiv aufrüsten.
Eben dies sieht der Entwurf für die EU-Verfassung vor. Die
Mitgliedstaaten verpflichten sich darin, »ihre militärischen Fähigkeiten
schrittweise zu verbessern«. Die Rüstungskapazitäten sollen zu einem
gemeinsamen europäischen Rüstungsprogramm unter der Aufsicht eines Europäischen
Amts für Rüstung, Forschung und militärische Fähigkeiten
zusammengefasst werden. Die Schulden, die für das Wettrüsten aufgenommen
werden, sollen nicht unter die Kriterien des Stabilitätspakts fallen.
Die EU-Verfassung strebt an, eine »gemeinsame Verteidigungspolitik der
Union« zu entwickeln. Die Bevölkerung in der EU wird dazu nicht gefragt;
auch das Europaparlament wird zu den wichtigsten Fragen der Gemeinsamen Außen-
und Sicherheitspolitik nur gehört und informiert; es darf nicht
entscheiden. Wahrscheinlich hat dies zur Folge, dass in Zukunft auch der
Bundestag nicht mehr gefragt wird, ob er Auslandseinsätze billigt. Es
sind die Staats- und Regierungschefs, die das bestimmen; das muss
allerdings einstimmig geschehen. Solange Einstimmigkeit noch nicht
besteht, gibt es in diesem Bereich eine »verstärkte Zusammenarbeit«
zwischen den Staaten, die das wollen. Deutschland und Frankreich wollen
ganz kräftig.
Das verkündete Ziel der EU, bis zum Jahr 2010 die »dynamischste und
wettbewerbsfähigste Region der Welt zu werden«, findet jetzt ihre Ergänzung
in dem Ziel, die EU zu einer militärischen Supermacht aufzurüsten. Diese
Verfassung muss abgelehnt werden!
zurück
Wo
bleiben die Alternativen?
Das müssen sich die Kritiker des Sozialraubs immer wieder fragen lassen.
Die Alternativen sind gar nicht so schwierig – vorausgesetzt man ist
bereit, die neoliberalen Scheuklappen abzulegen.
Was ist Wohlstand?
40% der Erwerbstätigen in der BRD hatten 1998 ein Nettoeinkommen von
weniger als 1100 Euro im Monat. Über 3 Millionen Menschen müssen von der
Sozialhilfe leben; aber auch 11 Millionen Erwerbstätige leben unter der
Armutsgrenze (nach EU-Kriterien 648 Euro im Monat). Ab Januar wird die
Arbeitslosenhilfe abgeschafft und das Arbeitslosengeld II eingeführt;
dann müssen Langzeiterwerbslose mit 345 Euro im Monat (im Osten 335)
zzgl. Miete auskommen, jede Arbeit wird zumutbar, auch Leiharbeit an weit
entfernten Orten, der Kündigungsschutz wird ausgehöhlt.
Waren wir zu faul? Oder zu unproduktiv?
Wohl kaum. Das Bruttosozialprodukt wächst von Jahr zu Jahr; 2002 betrug
es 1984 Milliarden Euro. Nur: Davon bekommen diejenigen, die den Reichtum
geschaffen haben, immer weniger. Der Anteil der Nettolöhne am
Volkseinkommen lag in den 60er Jahren bei 84%; heute bei 65%. Seit 1974 wächst
das durchschnittliche monatliche Bruttolohneinkommen langsamer als das
Bruttosozialprodukt – von den Nettolöhnen ganz zu schweigen.
Trotz wachsenden Reichtums wird Jahr für Jahr die große Mehrzahl der
Menschen in diesem Land ärmer. Die Agenda 2010 beschleunigt diesen
Verarmungsprozess massiv. Das ist kein Sachzwang, sondern Folge von
Politik.
Wohlstand durch
Wachstum?
Das wird uns seit 1974 versprochen. Seither sind wir damit beschäftigt,
den Gürtel enger zu schnallen, damit »die Gewinne von morgen die
Investitionen von übermorgen werden«. Auf diese Investitionen müssen
wir oft warten, und wenn es sie gibt, schaffen sie kaum noch Arbeitsplätze.
Als nach dem Krieg die Wirtschaft brummte, nahm das Sozialprodukt jährlich
um 5,4% zu, trotzdem ist das Arbeitsvolumen zurückgegangen. Soll die
Arbeitslosigkeit allein durch mehr Wachstum überwunden werden, brauchen
wir jährlich ein Wachstum von 7% – das bedeutet eine Verdopplung der
Menge an Gütern und Dienstleistungen innerhalb von 10 Jahren. Das ist ökonomisch
wie ökologisch nicht zu verkraften.
Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Wachstum Wohlstand
schafft. Wachstum des Sozialprodukts ist nicht identisch mit Zunahme des
Wohlstands. Wir produzieren viel Leerlauf, viel Unsinniges, viel umweltschädliche
Produkte, und das nur, weil sich aus dieser Art »Produktion« z.T. großer
privater Gewinn schlagen lässt.
Fast 90% aller Erwerbstätigen in der BRD sind abhängig Beschäftigte.
Der Gedanke liegt nahe, anstelle des Sozialprodukts die Einkommen der
Arbeitenden zum Maßstab des Erfolgs einer Wirtschaftspolitik zu machen.
Für eine Wirtschaft,
die reich macht
Die Weltbank, die EU, aber auch die Bundesregierung verkünden gern, ihre
Politik sei darauf ausgerichtet, Armut zu vermeiden und überwinden. Dazu
müssten die unteren Einkommen aber wieder deutlich angehoben werden; es
muss eine neue Umverteilung von oben nach unten geben.
– Erwerbslose und Nichterwerbsfähige müssen im Monat mindestens 900
Euro netto zu ihrer Verfügung haben, individuell, ohne Bedürftigkeitsprüfung
und ohne Anrechnung von Partnereinkommen.
– Es muss einen gesetzlichen Mindestlohn geben, der nicht unter 1300
Euro liegen darf. 1024 Euro beträgt heute der durchschnittliche
Bruttoniedriglohn! Die Gewerkschaft NGG fordert einen Mindestlohn in Höhe
von 1280 Euro.
– Bis 1500 Euro im Monat müssen die unteren Einkommen steuerfrei sein,
aber jedes Einkommen ab dem 1.Euro sozialversichert.
– Alle Einkommensarten, auch Gewinne und Vermögen, müssen zur
Finanzierung der Sozialausgaben herangezogen werden; die
Versicherungspflichtgrenze muss fallen – auch gut Verdienende müssen
gesetzlich versichert bleiben.
– Vor allem aber müssen Arbeitsplätze – durch öffentliche Träger
– in den Bereichen geschaffen werden, wo der größte Bedarf besteht.
Das sind personennahe Dienstleistungen, die keinen Profit abwerfen, aber
den Zusammenhalt der Gesellschaft sichern: im Bildungsbereich, in der
Altenpflege, im Gesundheitswesen, in der Sozialarbeit, im Kulturbereich
fehlen Millionen Arbeitsplätze. Wir haben Bedarf an preiswerten
Wohnungen, an gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln, an
Investitionen in Umweltschutz und erneuerbare Energien.
– Zusammen mit der Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und
Personalausgleich könnte die Arbeitslosigkeit auf diesem Weg überwunden
werden. Es würde aber noch ein zweiter Effekt erreicht: Ein steigendes
Bildungsniveau und die Zunahme an frei verfügbarer Arbeitszeit hätten
zur Folge, dass die Menschen sich nicht mehr gängeln lassen, sondern ihre
kreativen Möglichkeiten entfalten wollen – ein wichtiges Element, um
sinnvoll Produktivität zu steigern. Sie wollen dann auch mehr Mitsprache-
und Mitwirkungsmöglichkeiten in der Gesellschaft.
– Über die Verwendung des erwirtschafteten Reichtums und die
notwendigen Investitionen dürfen nicht mehr wenige Kapitalbesitzer und
abgehobene Regierungen bestimmen, die Bevölkerung muss darüber
entscheiden. Verfahren wie die Beteiligungsdemokratie, die in Brasilien
erprobt wird, ermöglichen das.
– Die öffentlichen Güter – Infrastruktur, Dienstleistungen,
Sozialleistungen – werden in einer Wirtschaft, die immer weniger
Warenwachstum braucht, um die materiellen Bedürfnisse zu befriedigen,
immer wichtiger. Privatisierung bedeutet hier Enteignung, sie trifft vor
allem die unteren Einkommensschichten. Öffentliche Güter aber müssen
ausgebaut werden – nach den Bedürfnissen der Bevölkerung. Über ihre
Ausgestaltung muss es eine öffentliche Debatte und Kontrolle geben.
Unrealistisch?
Über eins müssen
wir uns im klaren sein: Unrealistisch ist unter den gegebenen Machtverhältnissen
alles, was die derzeitige Machtfülle der Unternehmer in Frage stellt.
Unrealistisch war die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland, weil dies einen
Bruch mit der ganzen neoliberalen Zurichtung der Gesellschaft bedeutet hätte;
unrealistisch war auch Michael Sommers Versuch, die SPD-Spitze von den
schlimmsten Auswüchsen der Agenda 2010 abzuhalten. Auch für kleine
Reformschritte reicht das Kräfteverhältnis heute nicht aus.
Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir unsere Bedürfnisse nicht mehr
danach richten können, was wir unter den gegebenen Machtverhältnisse
durchsetzen können. Wir müssen bereit sein, diese zu verändern. Wir müssen
darüber diskutieren, wie wir das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und
Arbeit verschieben können. Das geht nicht nach der alten Methode des
Verhandelns hinter verschlossenen Türen.
Wir müssen einen öffentlichen Streit über die gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Ziele führen, die mit der Arbeit der Erwerbsabhängigen
erreicht werden sollen. Wir müssen diesem Streit durch Kampfmaßnahmen in
Betrieben, Büros und auf der Straße Nachdruck verleihen. Die
Massenproteste am 3.April können nur ein Anfang sein.
Wir müssen uns auch darüber verständigen, welches Ziel wir anstreben.
Es schadet uns, wenn wir uns auf den Konkurrenzkampf zwischen
Wirtschaftsstandorten einlassen. Das welt- und europaweite Lohn- und
Sozialdumping muss ein Ende haben! An seine Stelle müssen globale,
soziale Standards treten, die eine Angleichung der Lebensverhältnisse
nach oben ermöglichen. Wir wollen nicht in Deutschland Löhne wie in
Indien, sondern in Indien allmählich zu Löhnen wie in Deutschland
kommen.
Eine Gesellschaft, die Kooperation und die Selbstbestimmung der Erwerbsabhängigen
zur Grundlage hat, verträgt sich nicht mit dem Recht auf Ausbeutung und
dem Streben nach privatem Profit. Eine solidarische Zukunft kann keine
kapitalistische Zukunft sein. Die Schlüsselsektoren der Wirtschaft und
die Macht über die Finanzierungsbedingungen von Investitionen dürfen
nicht in privater Hand bleiben – ebensowenig die Verfügung über den
natürlichen Reichtum und die Bodenschätze, oder über die Gewährleistung
von Mobilität, Bildung, Kommunikation. Die den Reichtum schaffen, sollen
auch bestimmen, was mit ihm passiert.
Öffentliches Eigentum hat viele Formen und viele mögliche Träger. Der
entscheidende Unterschied gegenüber einem privaten Unternehmen liegt
darin, dass die letzte Entscheidung bei demokratisch legitimierten Gremien
liegt, in denen das Stimmrecht nicht nach Vermögen und Besitz gestaffelt
ist. Gewählte Vertreter müssen sich vor der Öffentlichkeit
verantworten; Private fühlen sich nur ihrem Geldbeutel verantwortlich.
zurück
Wo
das Geld zu holen ist
1. Die Mega-Reichen
Im Jahr 2002 zählte
das Managermagazin 78 Euro-Milliardäre für die BRD. Ihr Gesamtvermögen
– Immobilien, Firmen, Geldkapital und Luxusgüter – machte 224
Milliarden Euro aus, etwas weniger als der Bundeshaushalt 2004 (251
Milliarden Euro). 5% Steuer auf diese Milliardäre und Multimilliardäre
brächte jährlich über 10 Milliarden Euro in die Staatskasse.
2. Der Geldadel
2002 gab es in
Deutschland 755000 Euro-Millionäre. Sie bringen es allein auf ein
Geldvermögen von etwa 2500 Milliarden. Knapp ein Drittel davon entfällt
auf etwa 7000 Ultra High Network Individuals, die jeweils ein
Nettogeldvermögen von über 30 Millionen Euro ihr eigen nennen. Würde
man die Euro-Millionäre mit 1% und die Ultrageldgierigen mit 5%
besteuern, kämen dadurch jährlich über 50 Milliarden Euro in die
Staatskasse.
3. Die Erbschaften
Zwischen 2000 und 2010
werden 2250 Milliarden Euro vererbt, jährlich also 425 Milliarden. Würde
man von den Millionenerben nach einem gestaffelten Prozentsatz ein Viertel
versteuern, könnte die öffentliche Hand 10 Mrd. Euro Erbschaftsteuer
mehr kassieren.
4. Die großen
Einkommen
Der Anteil der
Gewinnsteuern am gesamten Steueraufkommen muss wieder auf den Stand des
Jahres 1980 gebracht werden, das bedeutet eine Verdoppelung des jetzigen
Anteils. Für die öffentlichen Kassen sind das Mehreinnahmen in Höhe von
59 Milliarden Euro.
5. Kommunale Wertschöpfungssteuer
Alle Beiträge zur
unternehmerischen Wertschöpfung – Arbeitseinkommen, Mieten, Pachten,
Zinsen und Gewinne – sollen insgesamt besteuert werden. Dadurch ließe
sich der Steuersatz relativ moderat gestalten, die Gemeinden hätten ein
gestaltbares Hebesatzrecht.
6. Börsenumsatz- und
Spekulationssteuer
Der Nobelpreisträger
James Tobin hat den Vorschlag gemacht, exorbitante Gewinne im
nichtproduktiven Bereich abzuschöpfen und »Sand ins Getriebe der
kurzfristigen Spekulation« zu streuen. Je kurzfristiger der Spekulant
arbeiten will, umso mehr trifft ihn die Steuer.
7. Wirtschafts- und
Steuerkriminalität
Deutschlands Steuerprüfer
sind mehr wert als ihr Geld. Dieter Ondracek, Chef der »Steuer-Gewerkschaft«
und selbst jahrelang Steuerfahnder, sagte 1996 in einem Interview mit der
Woche: »7000 neue Betriebsprüfer brächten mit dem damit verbundenen
Abschreckungseffekt rund 15,4 Mrd. Euro Einnahmen.«
Sieben Vorschläge des
Münchner Instituts für Sozialwissenschaft (isw)
zurück
Wie
weiter nach dem 3.April?
Interview mit Bernd Riexinger, Ver.di Stuttgart
FLUGSCHRIFTEN: Im
Vorfeld des 2. und 3.April ist der Versuch gestartet worden, anknüpfend
an die Demonstration vom 1.November ein gleichberechtigtes Bündnis der
sozialen und globalisierungskritischen Bewegungen mit den
DGB-Gewerkschaften aufzubauen. Das hat nicht wirklich geklappt. Wo siehst
du die Probleme und wie können sie überwunden werden?
BERND RIEXINGER: Es hat
vielleicht nicht im gewünschten Maße geklappt. Aber es gibt doch
hoffnungsvolle regionale und überregionale Ansätze. Wer ein bisschen die
Gewerkschaften kennt, weiß, dass es heftige innere Auseinandersetzungen
um den weiteren Kurs gibt. Ein Teil hofft nach wie vor, dass durch
Anpassung und Modernisierungspartnerschaft ein »neuer« sozialer
Kompromiss auf etwas niedrigerem Niveau möglich ist. Dieser Teil will
keine außerparlamentarischen Bündnisse, keine ernsthafte Mobilisierung
und Politisierung und keinen dauerhaften Konflikt mit der SPD.
Der andere Teil, insbesondere auf der Gewerkschaftslinken, hat erkannt,
dass die Kapitalangriffe dauerhaft und tiefgehend sein werden, und baut
auf Gegenwehr und eigenständig auf dem politischen Feld agierende
Gewerkschaften. Diese suchen auch Bündnisse. Dass dieser Klärungsprozess
nicht widerspruchsfrei läuft, darf nicht verwundern.
Die vorbereitende
Aktionskonferenz im Januar hat den Versuch gesehen, eine gemeinsame
inhaltliche Grundlage von Gewerkschaftslinken, Erwerbslosen und Attac zu
erarbeiten. Das war sehr erfolgreich und das Ergebnis war der Frankfurter
Appell (siehe unten). Wie kann die Zusammenarbeit fortgesetzt werden?
Die Mehrheit in
Frankfurt war sich bewusst, dass die Proteste über den 3.April hinaus
fortgesetzt und verstärkt werden müssen. Diesen Prozess inhaltlich und
praktisch weiter zu treiben, wird eine wichtige Aufgabe sein. Darüber
hinaus muss die Zusammenarbeit auf örtlicher und regionaler Ebene
verankert werden. Die Bildung von regionalen Bündnissen und der Aufbau
kontinuierlicher Basisarbeit wir entscheidend sein für die weitere
Bedeutung der bundesweiten Aktionskonferenz.
Die größte
Schwierigkeit, vor der wir alle gemeinsam stehen, ist die der
Mobilisierung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Dem starken Unmut
entspricht nicht eine ebenso starke Bereitschaft zum Protest. Wie siehst
du in dem Zusammenhang die Chance zu betrieblichen Aktionen am 2.3. und
wie können wir an die Kolleginnen und Kollegen ran kommen?
Ich sehe keine Chance für
betriebliche Streiks oder Aktionen in der Arbeitszeit in größerem Ausmaß.
Es wird auch bei uns betriebliche Aktionen geben, die jedoch der
Mobilisierung für den 3.April dienen werden. An diesem Tag werden wir
abgezählt und der Erfolg der Demonstrationen wird entscheiden, ob die
Protestbewegung gegen Sozial- und Lohnabbau weiteren Auftrieb bekommt oder
nicht. Danach muss der Protest wieder verstärkt in die Betriebe getragen
werden. Die Linke muss aufpassen, dass sie die Streikfrage nicht zum
Fetisch erhebt, so wichtig gerade in Deutschland politische Streiks sind.
Exemplarische betriebliche Aktionen halte ich für möglich, sie können
auch eine positive Ausstrahlung für die Zeit nach dem 3.April haben. Für
die Linke und insbesondere die Gewerkschaftslinke wird es wichtig sein, in
den Gewerkschaften über den Charakter der Kapitaloffensive aufzuklären
und zu verdeutlichen, dass wir keine Ruhe mehr bekommen, wenn die
Gegenwehr nicht verstärkt und der Protest nicht im positiven Sinne
radikalisiert wird. Auch müssen die Gegenpositionen, wie sie z.B. im
Frankfurter Appell formuliert sind, in den Gewerkschaften und Betrieben
verankert werden.
Siehst du im Aufbau
eines Sozialforums in Deutschland einen nützlichen Schritt?
Wenn das Sozialforum nicht
lediglich eine Sammlung der ohnehin schon zahlreichen politischen Gruppen,
Foren und Initiativen sind, sondern es gelingt, neue Leute anzusprechen
und zu aktivieren, dann ja. Es könnte auch einen wichtigen Brückenkopf
zwischen Gewerkschaften, sozialen Initiativen, Erwerbslosen und
Globalisierungskritikern bilden. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur
sammeln, was ohnehin da ist, sondern auch neue Leute politisieren und in
die aktive Arbeit integrieren.
zurück
|